


WEST SIDE STORY
im Theater Trier
Das Ausweichquartier des Theaters Trier ist eine alte Fabrikhalle auf dem Trierer
Bobinet-
Für das Musical „West Side Story“ ist die Fabrikhalle eine interessante Location, spielt das Musical doch in der New Yorker Upper West Side der 50er. Bei den Kulissen hätte Bühnenbildner Dirk Immrich allerdings – speziell für die berühmte Balkonszene – etwas kreativer sein können. Hier dienen ein paar gestapelte Europaletten als Erhöhung, die aber auch auf der restlichen Bühnenfläche verteilt immer wieder ins Auge fallen. So weiß man nicht, steht Maria nun in einer Lagerhalle auf Paletten oder zu Hause auf ihrem Balkon. Für Zuschauer, die das Stück nicht kennen, nicht ganz leicht nachzuvollziehen. Genauso Doc´s Drugstore, der in Form eines Wohnwagens in der Halle steht. Ein einfacher Tresen mit ein paar Barhockern davor hätten den Zweck eher erfüllt.
Bei der Szene im Brautmodengeschäft, wo Maria und Tony ihre Hochzeit spielen, fehlt es ebenfalls an ein paar Requisiten. Zwei Schneiderpuppen z.B., mit einem Brautkleid und einem Frack und Zylinder bestückt, wäre schon viel Effekt ohne großen Aufwand gewesen.
Ansonsten passt das Hallen-
Ein kleines Ärgernis waren allerdings der Einlass, die drei Damen an der Einlasskontrolle
mussten parallel noch Programmhefte verkaufen, was einen großen Rückstau fabrizierte
und den Beginn der Vorstellung um ca. 10 Minuten verzögerte. Dann die Zuschauertribüne,
die aus schmalen Kunststoff-
Sicher ist es nicht einfach, einen guten und ausgeglichenen Raumklang in dieser Halle zu mischen. Das war des öfteren zu hören, mal war die Musik zu leise, mal das Ensemble – insbesondere die Jets. Schade vor allem im ersten Akt beim Stück „Tonight – Quintet and Chorus“, bei dem alle singen. Hier hört man Maria (Joana Caspar) und Tony (Carsten Lepper) deutlich heraus, Anita (Sabine Brandauer) so gut wie gar nicht und die beiden Ensembles Jets (David Scherzer, Tim Heisse, René Klötzer, Carsten Emmerich, Robert Seipelt, Denis Burda und Arne David) mit ihrem Anführer Riff (Eric Rentmeister) und Sharks (Noala de Aquino, Reveriano Camil, Gino Abet, Sven Niemeyer und Claudio Romero) mit ihrem Anführer Bernardo (Luis Lay) nur im Hintergrund.
Carsten Lepper geht in seiner Rolle als Tony voll auf und man nimmt sie ihm vom ersten
Moment bis zu seinem Tod voll ab. Egal ob netter Junge, mutiger Schlichter oder unsterblich
Verliebter – er meistert alle Facetten dieser Rolle perfekt. Auch Joana Caspar als
Maria ist wunderschön anzusehen und zu hören. Mit ihrem klaren und reinen Sopran
besticht sie von der ersten Sekunde an – auch wenn er für eine Musical-
Ebenso kann Sabine Brandauer als Anita in jeder ihrer Szenen mit perfekter Stimme punkten. Ihre schauspielerischen Qualitäten zeigt sie vor allem in der beklemmenden Szene, in der sie von den Jets vergewaltigt wird und anschließend aus Wut den Tod Marias verkündet.
Bei den Damen-
Die Damen der Sharks (Magali Schmid, Cecile Rouverot, Minja Anusic, Natalia Grützmacher,
Cynthia Nay und Erin Kavanagh) bestechen vor allem bei den berühmten Szenen „I want
to be in America“ und „I feel pretty“ -
So auch bei der Jets-
Eine sehr gute Ensemble-
Das Duo Officer Krupke (Christian Miedreich) und Inspector Schrank (Lászlo Lukács) sind durch das gesamte Stück immer wieder präsent, versuchen Ordnung in ihr Revier zu bekommen, scheitern aber regelmäßig an den Gangs. Besonders Krupke hat die Lacher durch seine etwas trottelige Art auf seiner Seite.
Doc, gespielt von Pawel Czekala, ist die gute Seele des Stückes. Er versucht immer wieder, die Gangs zu Vernunft zu bringen und ihnen zu vermitteln, dass Kriege und Kämpfe keine Lösung sind. Leider kommt er gegen die Sturheit, den Hass und Aggression der „Halbstarken“ nicht an und kann auch den Tod von Riff, Bernardo und Tony nicht verhindern.
Ein Augenschmaus ist auch die hervorragende und abwechslungsreiche Choreografie von
Sven Grützmacher. Die Kostüme von Alexandra Bentele sind einfach, aber durchaus zweckmäßig
und so gestaltet, dass man die einzelnen Gang-
Das Philharmonische Orchester der Stadt Trier spielt sich unter der Leitung von Generalmusikdirektor Victor Puhl gelungen durch die sehr anspruchsvolle Partitur Leonard Bernsteins und macht den Abend auch musikalisch zu einem Hochgenuss.
Einziger Wehmutstropfen ist aber der Schluss, als Tony in den Armen Marias verstirbt. Die Gangs gehen danach einfach auseinander, jede in ihr Revier, und lassen Maria mit Tony zurück. Eigentlich sollte der Schluss zeigen, dass die Gangs begreifen, dass es sich nicht lohnt, wegen ihrer Konflikte Menschenleben zu opfern. Wenn sie die Leiche Tonys schon nicht gemeinsam hinaustragen, so hätten sie sich wenigstens irgendwie auf er Bühne vereinen und sie gemeinsam verlassen müssen. Schade, dass diese doch sehr wichtige Botschaft komplett vernachlässigt wurde.
Insgesamt verspricht die Inszenierung des Theaters Trier Unterhaltung auf höchstem
Niveau. Wenn auch in manchen Punkten fast zu modern (in den 50ern gab es auch in
den USA noch keine Mobiltelefone), wirkt das Stück so keineswegs antiquiert. Die
Thematik ist nach wie vor aktuell – egal ob es Straßen-
„West Side Story“ im Theater Trier noch zu sehen bis 09. Oktober 2011.
Infos und Tickets unter www.theater-
Bericht: Sabine Böhm
Bilder: Theater Trier: Marco Piecuch

