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Aktuelles:
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Dreckiges Tanzen“ in der Comedia Köln:

 

Ein „sauberer“ Aufmarsch putzmunterer Künstler

 

   „Dreckiges Tanzen“? Klingt das nicht irgendwie billig? Ist das nur eine Parodie auf den Film oder das Musical „Dirty Dancing“? Und die Mitwirkenden: „Annamateur und Außensaiter“, Jan Heinke und „Zärtlichkeiten mit Freunden“ – können die mehr als nur tanzen, sollte man sie kennen? Die Antwort lautet: Ja! Und ob.

 

   Ehrlich gesagt: Dass Die Comedia Köln am 11. Mai nur zu einem Drittel bis zur Hälfte besucht war, hatte mich zunächst nicht gewundert, denn nach Lektüre der Programmankündigung und Anschauen des youtube-Trailers besuchte ich die Koproduktion der genannten Künstler ohne all zu große Erwartungen – doch wurde mehr als angenehm überrascht. Die Show vereint eine Auswahl der besten Nummern der genannten Künstler und endet mit ihrem Gemeinschaftswerk „Dreckiges Tanzen“, einer Persiflage auf den Film „Dirty Dancing“, in der die bekanntesten und schönsten Szenen des Films in deutlich anderer Form als gewohnt präsentiert werden.

 

   …Doch der Reihe nach:

 

 

    Den Auftakt machte das Duo Stefan Schramm und Christoph Walther als „Zärtlichkeiten mit Freunden“, das sein Tun als „Musik-Kasperett“ bezeichnet und ein neues Genre irgendwo zwischen Comedy und Kabarett geschaffen zu haben scheint. Gespräche mit dem Publikum und über es hinweg wechselten mit Nonsens, Slapstick und Musiknummern in einer Art und Weise, die stets aufs Neue überraschte, und gipfelten in eine spektakuläre einhändige Schlagzeugdekonstruktion, während mit der anderen Hand noch weiter getrommelt wurde. Walther hatte das Kölner Publikum bereits auf seiner Seite, nachdem er aufwändig die „Aufwärmphase“ erklärt hatte. Und dass auch mit Lokalbezügen nicht gespart wurde, zeigte, dass sich die beiden wie immer gut auf ihren Spielort vorbereitet hatten (hier seien die „Feuerwehrveteranen“ zu nennen, die in den Comedia-Räumen der ehemaligen Feuerwache der Vondelstraße vermutet wurden, das „Flönz-Essen“ in Köln oder die Vermietung der Messehallen). „Zärtlichkeiten mit Freunden“ kombinieren einen böse-stechenden Blick mit einem engelsgleich-sanften Lächeln, peinliche Frechheiten mit liebenswertem Charme, scheinbare Halbbildung mit intelligenten Ideen, stumpfe Plattitüden mit geschliffenen Pointen sowie Lakonie und wortlose Situationskomik mit Dialekt und scharfzüngigem Sprachwitz; sie können „herrlich dämlich“ erscheinen und sind geradeheraus, aber schräg, linkisch, aber das zur rechten Zeit; sie vereinen vordergründige Langsamkeit mit gedankenschnellem Hintersinn, vermeintlich dilettantisches Improvisieren mit ausgeklügelt professionellem Timing und kleine Gesten mit großer Wirkung. Dass sie zahlreiche renommierte Kabarettpreise erhalten haben, verwundert nicht.

 

   Abgelöst wurden sie von dem Solisten Jan Heinke, der ankündigte, nach den „Haha-Effekten“ nun für einen „Aha-Effekt“ zuständig zu sein. „Aha!“ war es allerdings weniger, was sich das erstaunte Publikum zunächst wohl dachte – vielmehr ein verblüfftes „Was? Wie macht der das?“ Heinke präsentierte Obertongesang in ästhetischer Form mit asiatischen und mit barocken Anklängen und schaffte es, das Publikum mit zweistimmigem Gesang zu verwundern, der doch irgendwie und wie auch immer aus nur einem einzigen Menschen kam. Und so konnte man beobachten, wie seine so genannte „Kehlkopfakrobatik“ den einen oder anderen Zuschauer veranlasste, verstohlen zu den Lautsprechern zu sehen, ob da nicht doch ein technischer Trick dahinter steckte… Komplettiert wurde sein Programm mit Passagen am Didgeridoo, die allerdings zu langatmig daherkamen, und einer kurzen Demonstration einer „Human Beat Box“, die zwar auflockerte, aber lange nicht an andere Mouth-Perkussionisten heranreichte. Dennoch bot Jan Heinke einen Ruhepol und durchaus reizvollen Kontrast zu dem humorigen Charakter des sonstigen Abends.

 

   Der nächste Teil gehörte der Sängerin Anna Maria Scholz, begleitet von Stephan Braun am Cello und Eckart Poser an der Gitarre, zusammen „Annamateur und Außensaiter“. Heulend und jammernd, fauchend und zischend, anfangs eher zu überzeichnet, doch mit besonderer Bühnenpräsenz und gehöriger Selbstironie, zog Annamateur das Publikum bald in ihren Bann, um gleich darauf gurrend, säuselnd und stöhnend einen Zuschauer aus der ersten Reihe zum Ziel ihrer Begierde werden zu lassen und wiederholte Lachsalven auszulösen. Auch in ihren Songs präsentierte sie verschiedenste Emotionen – dank bildhafter Formulierungen und dank einer Stimme, die mal heiser, mal samtig-soulig und mal kraftvoll-gewaltig daherkam. Hierbei blieben die „Außensaiter“ nicht etwa außen vor, sondern bewiesen mit Spielfreude und Virtuosität, dass sie ihr Handwerk verstanden. Und welche Töne man einer plötzlich aus dem Ausschnitt gezauberten Blockflöte entlocken kann, wenn man sie zu einer Coverversion des Songs „My name is nobody“ anstimmt, konnte erstaunen lassen. Insgesamt ein etwas eigenwilliges, aber außergewöhnliches und gut eingespieltes Trio.

 

 

    Nach der Pause dann das Gemeinschaftswerk „Dreckiges Tanzen“. Nachdem man über die etwas gezwungen wirkende Darbietung der „Kellerman’s-Hymne“ noch geteilter Meinung sein konnte, konnten die Lachtränen beim Auftritt des schrecklich-schönen Johnny-Castle-Verschnitts (Christoph Walther), der weder durch optische Ähnlichkeit mit Patrick Swayze noch durch visuelle Fähigkeiten zu bestechen schien, nicht mehr zurückgehalten werden. In wildem Wechsel präsentierten und parodierten die sechs Künstler Szenen und Zitate aus dem Film „Dirty Dancing“, oft in gnadenloser Zusammenhangslosigkeit, doch immer auf den Punkt treffend. Köperbeherrschung und Körpersprache kamen nicht zu kurz, und auch eine sexy Choreographie, in denen Walther und Schramm mit schwungvollem Hüftkreisen das Klischee vom „Dirty Dancing“ bedienten, fehlte nicht. Auch in dieser Produktion wurden vorgeblicher Dilettantismus und markerschütternder Humor mit musikalischer und schauspielerischer Professionalität vereint. Und wer hätte gedacht, dass man den bekannten, bald abgedroschenen Song „The time of my life“ mit Didgeridoo und Xylophon so arrangieren kann, dass er wieder interessant klingt?

 

    Kurz: Das Programm war ein kurzweiliges Training für die Lachmuskeln, ohne ein Affront für die Hirnzellen zu sein!

 

andra Niggemann

 

Foto: Quelle www.annamateur.de.jpg