„Liebe hat´s da (nicht) schwer !“
Salzburg, 1938 : Die Novizin Maria Rainer, die im Kloster mit ihrer unkonventionellen Art bei ihren Mitschwestern oft „aneckt“, wird zu Kapitän Georg von Trapp geschickt, um sich nach dem Tod seiner Frau um die sieben Kinder zu kümmern und deren Erziehung zu übernehmen. Dort findet Maria nur militärischen Drill vor. Doch durch ihre liebvolle Zuneigung und dem gemeinsamen Singen bzw. Musizieren gewinnt sie schnell die Herzen der Kinder. Jedoch nicht nur die kleinen Trapp´s haben Maria in ihr Herz geschlossen ... Aber die Idylle wird heftig bedroht ... Die Handlung des Musicals basiert zum Großteil auf Tatsachen. 1949 veröffentlichte Maria Augusta von Trapp ihre Autobiographie unter dem Titel „Vom Kloster zum Welterfolg“. Daraus entstanden dann mehrere Heimatfilme, die auch in den USA große Erfolge wurden. Es sollten noch zehn Jahre vergehen bis aus dem Leinwandstreifen das Musical „Sound of Music“ wurde, das seine Uraufführung am New Yorker Broadway feierte. Durch diesen internationalen Erfolg, wurden bei dieser Produktion bisher mehr als 80 % der Karten ins Ausland verkauft, deswegen werden die Texte auf Bildschirmen ins Englische übersetzt.
In der Rolle der jungen Nonne ist Wietske van Tongeren zu sehen. Die junge Niederländerin verkörpert die „zauberhafte Nanny“ mit „Leib und Seele“. Sie versprüht von der ersten Minute an pure Spielfreude, ist ein wahrer Wirbelwind auf der Bühne. Der „Gesangsunterricht“, den sie den ihr anvertrauten Kinder gibt, geht ans Herz und rührt zu Tränen, mal vor Rührung, mal vor Lachen. Ihre Sopranstimme verleiht den Gesangsparts Leichtigkeit, aber auch tiefe Emotionalität. Ihr gegenüber ist als „Kapitän Georg von Trapp“ Uwe Kröger zu sehen. Er überzeugt auf ganzer Linie als „strenger, prinzipientreuer Seemann“, der seine Kinder als „Schiffscrew“ betrachtet und sie auch dementsprechend „herumkommandiert“, bis er die Liebe zu ihnen „wieder entdeckt“. Kröger hat zwar nur einen Solotitel zu singen, bei dem er aber eindrucksvoll zeigt, dass er stimmlich zu „alter Stärke“ zurück gefunden hat. Durch eine tiefere Stimmlage wirkt diese nun voller und tragfähiger. Die „Trapp – Kinder“, allen voran Hanna Kastner als älteste Tochter „Liesl“, die im Laufe des Stücks authentisch vom „unbedarften Teeny“ zur „verantwortungsbewussten, jungen Frau“ heran reift, stehen den beiden in nichts nach, ebenso das gesamte restliche Ensemble.
Auch beim Bühnenbild und den Kostümen wurde mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Die Darsteller tragen viel Tracht, nur in einer Szene bei einem Ball gibt es festliche Kleidung. Zentrales Element ist eine Nachbildung der in Salzburg im Original stehenden „Villa Trapp“, die durch eine Drehbühne, ein Bespielen vor und im Haus ermöglicht. Außerdem lässt sich ein Teil der Bühne nach oben fahren, und erzeugt so den Eindruck eines „Berges“ in Verbindung mit viel Nebel. Zusammen mit einem äußerst gut ausgedachten Lichtkonzept bietet „Sound of Music“ nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch die Augen. Doch v. a. in einem Punkt ist die Inszenierung gelungen : Der geschichtliche Hintergrund, nämlich die Machtübernahme von Adolf Hitler und der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich und die damit gravierenden Veränderungen im Leben der Menschen bzw. wie sie der Propaganda der NSDAP erliegen, wird mit klaren, eindeutigen Szenen geschildert. Aber sie kommen nicht reißerisch daher oder werden beschönigt, es sind oft nur Bilder wie ein überdimensionales Hakenkreuz an einer Leinwand projektiert, das Konterfeit von Hitler zusammen mit einer Tonbandaufnahme von einer Rede und SS – Männer, die nicht nur den Abgang von der Bühne verhindern, sondern auch die Türen des Theatersaals im Parket blockieren. So entwickelt man als Zuschauer auf beeindruckende und nachhaltige Weise ansatzweise ein Gefühl für die damaligen Lebensumstände und kann den Sinneswandel einiger Figuren etwas besser nachvollziehen.
„Sound of Music“ bietet ein unvergessliches Theatererlebnis und es ist kein Wunder, dass Vorstellungen bis ins nächste Frühjahr bereits (fast) ausverkauft sind bzw. schon einige Zusatztermine in den Spielplan genommen wurden.
Text : Andrea Grund
Bild: Landestheater Salzburg