„Wenn ich an Dich denke“
Meistens handelt es sich in Musicals um amüsante, lustige Themen, oft aus dem Reich
der Märchen. Dass auch das „wirkliche Leben“ eine gute „Story“, wenn nicht sogar
die Beste ist, beweist „Wenn Rosenblätter fallen“. Grundlage des Stückes ist ein
Buch der belgischen Autorin Brigitte Minne, im Jahr 2008 erschien unter der Federführung
der Musicaldarsteller Rory Six (Musik) und Kai Hüsgen (Texte) ein Konzeptalbum. Im
letzten Jahr kam es nun zur Welturaufführung in Amsterdam. In dem Drei – Personen
– Stück geht es um den 19 – jährigen „Till“, seine Mutter „Rose“ sowie seine Nachbarin
„Iris“. Die Handlung beginnt, in dem „Till“ sein spärlich bestücktes Zimmer (Sofa,
Tisch, Stuhl, Staffelei sowie ein „(Bilder)Rahmen“) im Studentenwohnheim einrichtet,
da er sein Kunststudium beginnt (Bühnenbild : Beata Kornatowska). Verschiedene Gegenstände
lösen bei ihm schmerzende Erinnerungen aus, v.a. ein Brief seiner verstorbenen Mutter,
die ihrem Gehirntumor erlag. Plötzlich platzt „Iris“ ins Zimmer, um sich ihm vorzustellen.
Bei beiden funkt es, doch es dauert einige Zeit bzw. es müssen viele Missverständnisse
aus dem Weg geräumt werden, bis sie sich ihre gegenseitige Zuneigung eingestehen,
da „Till“ eine schwere Last mit sich trägt ... Die Rolle des „Till“ verkörpert Dirk
Johnston. Authentisch gibt er den „Kämpfer“, „fürsorglichen Sohn“, aber auch seine
Verzweiflung und Überforderung wird sichtbar, ebenso lässt er die Zuschauer durch
seine Spiel -
Der ständige Wechsel der Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart irritiert anfangs, hier wären mehr klarere Trennungen sinnvoll gewesen, z.B. durch den Einsatz von Vorhängen. Im (sehr kurzen) zweiten Akt überschlagen sich die Ereignisse, die Beweggründe von „Till“ den Wunsch seiner Mutter zu erfüllen und ihrem Leben ein Ende zu setzen bleiben im Dunklen – Kurzschlusshandlung oder lang geplant ? Dies muss jeder für sich selbst entscheiden...
Dieses Musical überzeugt durch seinen intimen Rahmen, ansprechenden Songs, einer hervorragenden Cast, die nur mit kleinen Unterbrechungen ständig auf der Bühne agiert, aber letztendlich, dass es bewegt und aufrührt, ohne nie den „moralischen Zeigefinger“ zu heben. Ein Plädoyer für das Leben ...
Bericht : Andrea Grund
Foto : Isabell Schatz, Phillip Schäper