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„Was du auch tun wirst, du entkommst dir nicht ...“

 

 

In der Rolle der „Päpstin Johanna“ ist Sabrina Weckerlin zu sehen. Sie spielt sie als eine wissbegierige, hilfsbereite junge Frau, die um zu überleben, die Identität ihres getöteten Bruders „Johannes“ annehmen muss, ihr Leben lang versucht, nicht enttarnt zu werden, was ihr letztlich nicht gelingt. Sie kann sich, bis auf wenige Personen, anderen nicht öffnen und anvertrauen. Segen und Fluch zugleich ist dabei ihr „einsames Gewand“, die Mönchskutte : Einerseits ermöglicht sie ihr sich darin „verstecken“, andererseits muss sie sich als jemanden ausgeben, der sie nicht ist, lebt daher in ständiger Angst und  vollkommen isoliert von der Außenwelt. Besonders dieser Song verdeutlicht beeindruckend, in welchen Dilemma Johanna sich befindet, so gefühlvoll und verzweifelt vorgetragen, wohl einer der emotionalen Höhepunkte des Stücks. Ihr erster Vertrauter wird der Gelehrte „Aeskulapius“, dargestellt von Daniele Nonnis. Der ruhige, sachliche Mann bemerkt sofort, welches Potenzial in der kleinen „Johanna“ steckt (gut dargestellt von Doreen Sommer) sorgt engagiert für ihre Ausbildung, steht ihr in Rom mit Rat und Tat zur Seite, erkennt jedoch auch, in welche Gefahr sich „Johanna“ als „Päpstin“ begibt und versucht sie – vergeblich – zu schützen. „Aeskulapius“ wird im Laufe des Stücks immer mehr der Erzähler. Daniele Nonnis überzeugt mit abgeklärtem Spiel und einer angenehm tiefen, ruhigen Stimme, leider bekommt er zu wenige Möglichkeiten, dieses zu präsentieren. Als weiterer Fürsprecher stellt sich der couragierte „Abt Rabanus“ bzw. lebensfrohe „Fulgentius“, der Bischof von Dorstadt an „Johanna´s“ Seite. Beide Rollen mimt ausdrucksstark Dietmar Ziegler. Emotional am nahesten steht ihr aber der Markgraf „Gerold“, gespielt von Dennis Henschel (Zweitbesetzung), der v. a. durch seine einfühlsame Stimme bei dem Duett „Wehrlos“ mit Sabrina Weckerlin für den intimsten Moment in der Vorstellung sorgt. Der Darsteller Christian Schöne ist „Johanna´s“ Widersacher, der machtgierige römische Adlige „Anastasius“, möchte selbst auf den Papstthron und schreckt dabei auch vor Mord nicht zurück, um sein Ziel zu erreichen. Während man durch Mimik und Gestik durchaus Respekt vor dieser Figur bekommt, leidet unter der rollenbedingten überhasteten Sprechweise phasenweise ganz vereinzelt die Verständlichkeit, sowohl beim Gesang als auch in Dialogen. Es gibt noch viele Personen, die lobend erwähnt können, insgesamt kann dieser Produktion zu so einem hervorragenden Ensemble, auch in den kleinen Nebenrollen, nur gratuliert werden. Diese machen die „Brüche“, die teilweise bei Musik und dazu gehörigem Text auftreten, insbesondere bei „ Ewiges Rom“, wieder wett. Etwas aus dem Rahmen fällt „Im Namen des Herrn“: Einerseits „lockert“ die lebendige Feier im Kloster die Dramaturgie auf, andererseits wird es mit dem Klamauk leicht übertrieben und die mittelalterliche Musik, die zu Beginn durch Mönchsgesänge noch sehr stimmig ist, wird sehr poppig. In erster Linie bei den ruhigen Solotiteln punktet dieses Musical, aber auch die vom Orchester opulenten und dramatischen Teile, v. a. für „Anastasius“ können sich hören lassen. Auch bei den bunten und stilechten Kostümen gibt es Schwächen, viele waren nicht mehr in einwandfreien Zustand. Positiv in Erinnerung bleiben auch phantasievolle Kulissen, die gut ausgeleuchtet waren, bei einigen Szenenwechseln standen Darsteller jedoch teilweise „im Dunkeln“. Als mitunter sehr störend erwies sich die Drehbühne, die in Bewegung, laute Geräusche von sich gab. Zusammen fassend ist „Die Päpstin“ ein Musical mit einer bewegend erzählten Handlung und der (nach wie vor) aktuellen Botschaft : „Es sollte im Leben zählen, WER und nicht WAS Du bist“ ...

 

 

Text : Andrea Grund

 

Bild  : Spotlight Musicalproduktion GmbH