



Love Never Dies (2010) bei The Really Useful Group Ltd. unter exclusiver Lizenz von Polydor Ltd. (UK)
Die CD „Love Never Dies“ ist die Gesamtaufnahme des Stückes in der Version der Weltpremiere vom 9. März 2010 im Adelphi Theatre London in gleicher Besetzung.
Das Musical – das wieder als Rückblende erzählt wird – handelt 10 Jahre nach den Geschehnissen in der Pariser Oper, die aus Das Phantom der Oper bekannt sind. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hat es Erik nach Coney Island (Brooklyn) verschlagen, wo er als Mr. Y das Phantasma betreibt. Unterstützt wird er dabei von Meg Giry und ihrer Mutter. Er lebt in einem Turm hoch über dem Theater und sehnt sich danach, Christine noch einmal singen zu hören. Dies sieht Madame Giry nicht gerne, weil er zudem Meg nicht ausreichende Beachtung schenkt. Doch das Phantom schenkt der Balettmeisterin jedoch keine Beachtung, sondern beauftragt Fleck, Squelch und Gangle – „Freaks“, die im Phantasma angestellt sind –, Christine zu einem Auftritt in sein Theater einzuladen.
Drei Monate später kommen Christine samt Raoul, inzwischen ein Schatten seiner selbst, und zehnjährigem Sohn Gustave unter Beachtung einiger Paparazzi am Pier 69 an. Nach einiger Zeit tauchen die drei Freaks auf und begrüßen die kleine Familie medienwirksam. Im Hotel angekommen, macht Raoul seiner Wut über den Empfang Luft und verlässt die beiden, um erneut Alkohol zu trinken. Um ihm das Verhalten seines Vaters verständlich zu machen, sind Christine ihrem Sohn das Schlaflied Look With Your Heart. Er schläft ein.
Das Phantom erscheint und offenbart sich Christine. Beide erinnern sich an eine Nacht (wohl die Nacht vor ihrer Hochzeit mit Raoul) und ihre Liebe vor 10 Jahren zurück, für die Christine fast Raoul verlassen hätte. Als sie aber das Phantom nicht mehr vorgefunden habe, hätte sie von diesem Wunsch Abstand genommen. Erik erklärt, dass er sie aus Angst vor erneuter Abweisung ihrerseits frühzeitig am Morgen verlassen habe. Beide hatten damals gedacht, dass ihrer Liebe trotz allem eine Chance habe, wurden aber durch das Verhalten des jeweils anderen enttäuscht. So heiratete Christine Raoul. Schließlich trifft der erwachte Gustave auf das Phantom, das ihm verspricht, ihm am nächsten Tag das Phantasma zu zeigen.
Am Tag darauf trifft Christine auf Meg, die natürlich tüchtig eifersüchtig ist und Raoul auf Madame Giry, die ihm erklärt, dass das Phantom der war, der seine Frau eingeladen hatte, eine Arie zu singen. Gustave wird indessen von den drei Mitarbeitern ins Nest des Phantoms geführt, wo Erik eine Seelenverwandtschaft mit dem zehnjährigen Kind entdeckt. Seiner selbst sicher lüftet er seine Maske, doch Gustave erschreckt. Christine, die ihn gesucht hat, tröstet den Jungen. Das Phantom konfrontiert sie folgend mit seiner Vermutung, dass das Kind von ihm sei. Sie bestätigt das. Überwältigt von Vatergefühlen verspricht er, für den Jungen mit ihr zu sorgen. Das hört Madam Giry, die ihre Stellung in Gefahr sieht.
Der zweite Akt beginnt damit, dass sich der inzwischen wieder angetrunkene Raoul vom Phantom zu einer Wette hinreißen lässt: Wenn Christine die Arie singt, gehört sie dem Phantom, wenn nicht, Raoul.
Als Meg nach einem Auftritt von ihrer Mutter sowohl erfährt, dass das Phantom der Vorstellung erneut nicht beigewohnt hat, als auch, dass die Giry nicht mehr den Einfluss auf das Phantom hat wie einst, reagiert sie verärgert und enttäuscht.
Vor ihrem Auftritt versucht Raoul Christine davon abzubringen, bleibt aber erfolglos und geht enttäuscht. Nach einem Gespräch mit dem Phantom wird ihr alleine klar, dass sie erneut wählen muss – wie vor 10 Jahren. In einer Reprise ist man gespannt, wer die Wette gewinnen wird. Schließlich singt Christine die Arie Love Never Dies. Aus einem Brief erfährt sie nach der Vorstellung, dass Raoul sie verlassen hat. Dann bemerkt sie, dass Gustave verschwunden ist. Erik befragt seine Mitarbeiterin Fleck, die erzählt, dass sie Meg und eine weitere kleine Person zu einem Pier gehen sah. Sie machen sich auf, die beiden einzuholen und schlimmes zu verhindern.
Sowie sie eingeholt ist und man verhindert hat, dass sie Gustave ertränken will, bedroht Meg alle mit einer Waffe, damit man ihr zuhört. Es wird klar, dass das Geld, mit dem Madame Giry das Phantom unterstützte, daher kam, dass sich die junge Frau prostituierte. Danach will sie sich erschießen, was das Phantom verhindern will. In dem so entstehenden Tumult wird Christine tödlich von einer Kugel verletzt. In ihren letzten Worten erklärt Christine Gustave, dass Erik sein Vater ist, und dem Phantom, dass ihre Liebe niemals endet. Nach einem letzten leidenschaftlichen Kuss stirbt sie in den Armen von letzterem. Er tröstet Gustave, der ihn nun ohne Angst demaskieren kann.
Mit dieser Story, die locker auf dem Buch The Phantom Of Manhattan von Frederick Forsyth basiert, ist Ben Elton ein gutes Buch für das Musical gelungen, dass an manchen stellen zwar etwas vorhersehbar (z.B.: Wer hat nicht von Anfang an vermutet, dass der Sohn vom Phantom ist?) und kitschig (z.B.: die Todesszene von Christine) ist, aber auch überraschende Wendungen und sehr gute Charakterentwicklungen enthält.
Musikalisch haben wir es hier mit einem der besten Werke von Andrew Lloyd Webber
zu tun. Zum einen ist die Musik sehr facettenreich. Es gibt sowohl das rockige Beauty
Underneath – Thema, als auch das Stück Dear Old Friend, was durchaus einer opera
buffa entsprungen sein könnte, sowie die Nummer Bathing Beauty, die noch mal in eine
andere Richtung zielt. Zum anderen ist das Orchester-
Die Cast, die für diese Aufnahme gewählt wurde ist sehr gut. Ramin Karimloo, der
auch in Das Phantom der Oper die Titelrolle und das Phantom verkörperte und letztens
noch seine Extraklasse als Enjolras beim 20th Anniversary von Les Misérables unter
Beweis stellte, gibt ein hervorragendes Phantom, dass nicht zu popig und nicht zu
klassisch singt, sondern beides sehr wohl dosiert. Sierra Boggess gibt eine Christine,
die auch diesen Kompromiss sehr gut findet und mit einer wunderbar klaren Stimme
und einem herzerweichenden Vibrato überzeugen kann. Joseph Millsons Raoul ist dagegen
eher blass. Bei dem genialen Stück Devil Takes The Hindmost scheint er seinem Erzrivalen
Erik kaum etwas entgegensetzen zu können auch schauspielerisch kann Millson manchmal
nicht zu hundert Prozent überzeugen, wirkt aber sehr bemüht. Liz Robertson als Madame
Giry ordnet den Gesang doch für meine Begriffe sehr stark dem Schauspiel unter, zwar
ist sie intonal sicher, geht aber manchmal eher ins Schreien als in ein Crescendo,
was ich persönlich nicht so sehr und gehäuft mag. Summer Strallen, die die Meg Giry
darstellt, überzeugt in allen Belangen und allen Facetten ihrer Rolle mit einer wunderbaren
Pop-
Fazit: Diese CD gibt einem als Gesamtaufnahme einen wunderbaren Eindruck dieses doch recht eindrucksvollen Musicals. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass es dem Phantom der Oper deshalb nicht so ähnlich ist, weil es insgesamt moderner daherkommt. Für die Menschen, die wegen dem klassischen Einschlag in Das Phantom der Oper gegangen sind, ist diese CD nicht unbedingt geeignet. Für Freunde von Webbers Musicals ist es als sein vorletztes, aber auch als tolles Musical ein absolutes Muss. Außerdem kann jedem Mensch, der die lyrischen Musicals favorisiert, mit dieser CD ein Freude gemacht werden.
von Philipp J. Kroiß