


Les Misérables London
„Still like a first night“, diesen Slogan kann man an der Fassade des Queen’s Theatre in London lesen.
Und das Musical das damit für sich Werbung macht, ist nebenbei ebenfalls das mittlerweile die längste Laufzeit eines Musicals aufweisen kann, um genau zu sein feiert es seit 26 Jahren Erfolge und ein Ende scheint zumindest in London vorerst nicht in Sicht zu sein.
Ich hatte dieses Jahr glücklicherweise gleich zweimal die Möglichkeit den Slogan auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen, einmal im März und einmal, vor noch gar nicht zu langer Zeit, im September. Da Mitte Juni zudem noch ein relativ großer Castwechsel in London stattfand, hatte ich außerdem noch die Gelegenheit zwei völlig unterschiedliche Besetzungen erleben zu können.
Aber zunächst einmal zu Les Miserables selbst. Das Musical von Alain Boublil (Libretto)
und Claude-
Weitere Schicksale überschneiden sich mit dem Lebenslauf des Jean Valjean, so die Tragödie der Fantine und ihrer Tochter Cosette, oder das Schicksal der Studenten während des Pariser Juniaufstandes im Jahre 1832.
Seine Uraufführung feierte das Musical 1980 im Palais des Sports in Paris, jedoch in einer kürzeren Fassung als der heutigen, da es sich speziell an das französische Publikum wendete, dem der Inhalt von „Les Miserables“ wohlbekannt war.
Die heute bekannte Fassung wurde am 08. Oktober 1985 im Barbican Arts Centre in London
zum ersten Mal aufgeführt, noch im selben Jahr zog die Inszenierung dann in das Palace
Theatre (London) ein. Knapp 1 ½ Jahre später feierte man am 12. März 1987 die nächste
Les Miserables-
Derzeit kann man die Originalproduktion nicht nur in London, sondern ebenfalls in Madrid und auf einer Tour durch die USA sehen. Eine deutschsprachige Inszenierung wird demnächst in Innsbruck (Wiederaufnahme 18.10.2011, mit Chris Murray als Jean Valjean), zu sehen sein.
Aber nun zurück zum Anfang und dem Versprechen „Still like a first night“. Als ich im März in London Les Miserables besucht hatte, war meine letzte Vorstellung über drei Jahre her und meine Vorfreude entsprechend groß, so dass es sich nach all der Zeit tatsächlich wie ein erstes Mal Les Mis anfühlte, konnte dieses Versprechen aber auch noch erfüllt werden, wenn die letzte Vorstellung nur ein knappes halbes Jahr her war? Ja, es konnte und das lag nicht nur an dem großartigen Musical mit der tollen Musik an sich, sondern insbesondere an den jeweiligen Darstellern.
Die März-
Die September-
Der stärkere Valjean war definitiv Jonathan Williams. Simon Bowman war optisch und schauspielerisch zwar perfekt in der Rolle, hatte stimmlich jedoch im Gegensatz zu Jonathan Williams einige Defizite und hatte insbesondere bei den hohen Tönen zu kämpfen, was sich dann natürlich besonders bei „Bring him home“ bemerkbar machte, während Jonathan Williams die Rolle ohne stimmliche Probleme meisterte.
Bei den Javerts könnte ich keinem den Vorzug geben, denn beide waren absolut hervorragend. Beide Darsteller sind noch relativ jung (30 bzw. 31 Jahre alt), waren aber gerade in der Rolle des alternden und später auch gebrochenen Javert sehr überzeugend. Während Jeff Nicholson mich sofort in seiner ersten Szene überzeugt hatte, dauerte es bei Hadley Fraser doch bis „Stars“, denn zu Beginn hatte ich meine Zweifel, da seine Stimme mir für einen Javert zunächst zu hoch war. Aber gerade „Stars“ und „Javerts Suicide“ waren so überzeugend, das sämtliche Zweifel wie weggewischt waren.
Die Rolle der Fantine wurde sowohl von Rebecca Seale als auch Caroline Sheen wunderbar dargestellt, beide sangen ein wirklich ein wunderschönes „I dreamed a dream“, und man litt mit Fantine bis sie (endlich) durch den Tod erlöst wurde.
Zu Cosette und Marius muß ich zunächst anmerken, das, so sehr ich Les Miserables
als Gesamtwerk liebe, mich diese Dreiecksliebesgeschichte zwischen Cosette, Marius
und Eponine und dabei insbesondere die beiden Duette „In my life“ und „A heart full
of love“ ein kleinwenig langweilt und für mich am ehesten verzichtbar wäre. Daher
kann ich zu Gareth Gates (einigen vielleicht noch durch seine Karriere als Pop-
Auch bei Eponine kann ich keiner der Darstellerinnen (AJ Callaghan und Alexia Khadime) einen Vorzug geben, denn beide waren wunderbar, sowohl stimmlich als auch schauspielerisch und man mit Eponine und ihrer unerfüllten Liebe zu Marius mitgelitten hat. „Own my own“ war definitiv beide Male ein Highlight der Show.
Unterschiedlicher als Killian Donnelly und Liam Tamne kann ein Enjolras nicht sein, der eine ein Enjolras, wie man sich ihn meistens vorstellt (und auch oft dargestellt wird): groß, blond, blauäugig, während der andere optisch eher an einen Marius erinnert und auch stimmlich sind sie sich nicht sonderlich ähnlich. Was beide aber gemeinsam haben, ist eine tolle Bühnenpräsenz und so überzeugen sie beide, sowohl stimmlich als auch schauspielerisch.
Nun zu Monsieur Thenardier. Ich habe einige großartige Thenardiers gesehen und doch hatte sich Martin Ball direkt an die Spitze gespielt, tolles Schauspiel, passende Stimme und hervorragendes Zusammenspiel mit Madame Thenardier. Mit dem Gedanken das es eigentlich nicht besser werden kann, waren meine Erwartungen nicht allzu hoch, und dennoch, ich wurde eines besseren belehrt, Matt Lucas war als Monsieur eine absolute Klasse für sich und der mit Abstand beste Thenardier den ich bisher gesehen hab. Es stimmte absolute alles.
Katy Secombe (die einzige Darstellerinnen, die in beiden Shows gespielt hat) war ebenfalls perfekt. Eine Madame Thenardier wie sie im Buche steht und wie man sie gerne „hasst“. Sowohl als Paar mit Martin Ball als auch mit Matt Lucas stahlen sie, sobald sie auf der Bühne waren, die Show.
Les Miserables, in der Originalinszenierung, weiß auch nach 26 Jahren über noch zu überzeugen und zu begeistern, und diese beiden Shows, sowohl im März als auch im September, gehörten mit zu den besten, die ich je gesehen habe.
Sollte man also mal (wieder) in London sein und über einen Musicalbesuch nachdenken, ist Miserables, trotz der Fülle an Musicals in der Stadt, immer wieder eine Überlegung wert.
Text: Nicole Breest
Fotos: www.lesmis.com


