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An diesem Tag war tatsächlich komplette First Cast da, was dem Umstand zuzuschreiben war, dass an diesem Tag - laut Auskunft der "Kaufmännischen Verwaltung" - die Highlights-CD aufgenommen wurde auf die man sich - ohne zu viel vorweg zu nehmen - echt freuen kann. Vielleicht noch vorab die Information, dass ich Elisabeth an diesem Tage das 9. Mal live gesehen habe; davor fünf Mal in Essen und drei Mal in Düsseldorf.

 

Der Musicaldome an sich kann ich vorher nur von der Beschreibung meiner Musikleherin als "Mülltüte" wegen der charkteristischen Dachkonstruktion.

 

Der Musicaldome

 

Das Theater von innen ist hingegen anders als von außen erwartet. Es steht zudem eine Gaderobe bereit, wenn man die Klamotten nicht mit in den Theatersaal nehmen möchte.

 

Der Theatersaal

 

Mir ist zu allererst die durchaus findige Idee aufgefallen, die Umrisse von Elisabeth in den Eiseren Vorhang zu bringen. Die Düsseldorf-Zuschauer der letzten Tour durfen dies aufgrund der Beschaffenheit der Bühne zuvor nicht bewundern.

 

Dann begann die Show.

 

Kurrosch Abbasi mimt einen Luigi Lucheni, der doch sehr vom Spiel an Serkan Kaya erinnert (siehe DVD), aber stimmtlich einen eigenen Weg geht. Es macht dabei Spaß dem lockeren Spiel zuzusehen, das auch ein Stolperer über das Kleid von Elisabeth nichts anhaben kann. Insgesamt kann er durchaus überzeugen, obwohl er weder den klassischen Einschlag in der Stimme von Bruno Grassini noch eine Rockstimme auslebt.

 

Mark Seibert spielt und singt einen Tod, der nicht schlecht ist, mich persönlich allerdings nicht überzeugt. Er bringt in dieser Rolle für mich nicht das, was ich erwarte. Sein Spiel war nicht schlecht, aber mir persönlich fehlte beispielsweise bei vielen Szenen die Zuneigung, die man doch sehen sollte. Gerade mit der Intensität der Zuneigung kann man bei diesem Stück als Tod ja so wunderbar spielen, diese Option hat Mark Seibert beispielsweise nicht gezogen. Das hätte seiner Darstellung sicher gut getan.

 

Annemieke van Dam ist für mich momentan die Idealbesetzung für die Elisabeth. Sie überzeugt sowohl als junges Mädchen als auch als vom Schicksal gebeutelte 63-jährige. Sie spielt dabei jede Szene so mitreißend, dass man ihre Rolle wundervoll nachvollziehen kann. Besonders lobend zu erwähnen ist ihre Interpretation des Songs "Ich gehör nur mir", der - wie man im Publikum beobachten konnte - nicht nur ihr feuchte Augen bereitet. Dank dieses tollen Spiels kann man auch über einige Passagen, die an diesem Tag gesanglich nicht so hervorragend waren wie in Düsseldorf, hinwegsehen. (Vor dem Hintergrund, dass die Cast allerdings von "bösen Erkältungsviren befangen" war, ist dies nachvollziehbar und wird bei Ihrem Besuch nicht mehr so sein.)

 

Dennis Kozeluh bewies mir nun auch live, dass er aufgrund seiner wunderbaren satten Tiefen nicht nur ein genialer Kaiphas ist, sondern auch ein hervorragender Herzog Max. Auch in seinen Ensemblerollen konnte er absolut überzeugen.

 

Elissa Huber gibt sowohl die Ludovika als auch die Frau Wolf in einer sehr guten Qualität und kann absolut überzeugen.

 

Betty Vermeulen als Erzherzogin Sophie ist leider nicht in solchen höchsten Tönen zu loben. Sicherlich liefert sie eine passable Leistung ab, kann aber im Gesammten nicht so überzeugen. Besonders bei "Bellaria" - ein Lied, das zu einem meiner absoluten Favourites der gesamten Show gehört - fehlten mir einfach die Bitterkeit und die Härte. Dies ist ja der letzte Auftritt der Sophie und für mich muss der etwas Endgültiges haben, was noch das ganze Stück nachwirkt. Betty Vermeulen konnte dieses Lied nicht zu einem solchen Höhepunkt machen. Diese Härte der einzigen klaren Antagonistin Sophie konnte sie mir nicht nahe bringen. Schade. Für jemanden der die Show allerdings noch nie gesehen hat, liefert sie eine durchaus gute Leistung ab.

 

Matthias Edenborn ist ein hervorragender Musicaldarsteller und hat mich bei Aufnahmen, die ich von ihm sah bzw. hörte immer überzeugen können. Dass er dies als Franz-Joseph nicht tat lag hauptsählich daran, dass ich bei dieser Rolle einen Bariton oder einen lyrischen Tenor bevorzuge, sodass beispielsweise der Unterschied der Charaktere von Kaiser und vom Tod auch stimmtlich greifbar wird und das Aufeinandertreffen beider in der Szene "An Deck einer sinkenden Welt" noch effelktvoller wird als es ohnehin schon ist. Ergo: Dass er mich nicht begeisterte, lag an mir. Jemand, der also den Franz-Joseph tenoral besser findet, hat mit Mathhias Edenborn einen sehr guten Darsteller.

 

Oliver Arno hat an diesem Tag eine hervorragende Leistung als Rudolf gebracht. Seine sichere Intonation war besonders auffallend beim der "Notwehr"-Passage, in "Die Schatten werden länger (Reprise)", die lange nicht von jedem Rudolf so gut gesungen wird. Auch in seinem Spiel konnte er absolut überzeugen. Zu dem ist hinzuzufügen, dass er auch einen sehr guten Tod singt wie man schon in Düsseldorf hören konnte.

 

Das Ensemble erschien als gut eingespielt und überzeugte in den einzelen Rollen. Lars Rindelaub gab mit seinem tollen Timbre erneut eine wunderbare Interpreation des Kardinal  Erzbishofs Rauscher. Martin Markert ist zudem durch sein präzises Spiel lobend zu erwähnen, genauso wie Alice Macura, die als Fräulein Windisch in der Szene II,4 (Irrenhaus) überzeugte und so der "Sie mich an"-Passage mit Annemieke van Dam eine wunderbare Wirkung verlieh.

 

Wundervoll war es auch zu sehen wie ein zerbrochener Zeitungshalter und ein gewisser immer herunterfallender Hut gekonnt überspielt wurden.

 

Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass die Inszenierung teilweise eigenartig anmutete. Ein als Bückling dargestellter Begleiter von Elisabeth in der Szene "Rastlose Jahre" finde ich nicht nachvollziehbar. Hin und wieder geschah es auch, dass Gesten winfach ins Leere gingen. Das war sehr schade. Zudem schaffte man es nicht die Zeitenwende als elementar für dieses Stück zu inszenieren; die Umsetzung in Essen war da schon klarer. Wenn da bei der Szene "An Deck einer sinkenden Welt" sich ein blitzförmiges Loch auftat und die Akteuere (außer der Tod) in sich hineinzuziehen schien, waren die Umwälzungen ganz klar und eindeutig inszeniert. Zudem empfinde ich es nicht als idealen Schluss, dass der Tod Elisabeth einfach auf der Bühne ablegt, anstatt sie durch diesen "Blitz" zu tragen.

 

Wenn man nach Köln geht, sollte man auch nicht die imposante Bühne Essens erwarten, sondern eine für eine Tour gut geeignete Bühne.

 

Die Kostüme sind erneut sehr gut und passen hervorragenderweise in Zeit und Szene. Auch das "neue" Köstum der "Wie du"-Reprise hat der Szene gut getan.

 

Abschließend möchte ich noch mal Yannik Mezhoud erwähnen, der als "kleiner" Rudolf eine echt gute Leistung gebracht hat.

 

 

Was erwartet einen nun, wenn man diese Tourproduktion besucht? Eine wirklich gute Show, die absolut sehenswert ist. Ich empfehle jedem, mindestens eine Vorstellung zu besuchen. Besondere Stärke dieser Produktion ist auch, dass man sich ferner nicht ärgern muss, wenn man nicht die Erstbesetzung hat. Ich wünsche Ihnen deshalb viel Spaß. Ich selbst plane einen erneuten Besuch in Essen, um meine zehnte Show dort zu sehen, wo ich auch meine erste gesehen habe.

 

Bericht: Philipp Kroiß

Show-Rezension ELISABETH (23.10.2011)