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„Dinner für Spinner“ – köstliche Unterhaltung in der Komödie im Marquardt Stuttgart

 

 

Haben Sie gerne Gäste? Falls ja, dann greifen Sie bestimmt auf Ihren Bekanntenkreis zurück und laden sich Menschen ein, die sie gerne mögen und bereits seit langem kennen, oder?

 

 

Bei dem Verleger Pierre Brochant verhält es sich hier anders, dieser trifft sich jeden Dienstag mit seinen Freunden zum Dinner. Allerdings ist es Voraussetzung, dass jeder Anwesende noch einen ganz besonderen Gast mitbringt – einen Spinner, bzw. eine Person, die so unterhaltsam oder verrückt ist, dass sich der Rest der Runde über dessen Blödheit köstlich amüsiert. Wer den größten Spinner mitbringt, ist Sieger des Abends. Ein sehr menschenverachtendes Konzept, doch Brochant gefällt es und er ist sich sicher, dass er diesmal den Sieg holen wird – und zwar mit Francois Pignon, einem Finanzbeamten, dessen Hobby es ist, die großen Bauwerke der Welt mit Streichhölzern nachzubauen. Alles wäre perfekt, würde Brochant nicht mit einem quälenden Hexenschuss zu Hause sitzen und sich kaum bewegen können. Um sich Linderung zu schaffen, konsultiert der Verleger den Arzt Dr. Archambaud, seinerseits Rheumatologe aus Deutschland. Jedoch kann dieser Brochant auch nicht helfen, da der betagte Doktor versehentlich nicht seinen Arztkoffer, sondern einen Koffer inkl. Schlafanzug mitbrachte. So muss wohl das geplante Dinner diesmal ausfallen. Zu allem Unglück ist Brochants Frau Christine sowieso eine Gegnerin dieses Unterfangens und verlässt ihren Gatten wutentbrannt an diesem Abend. Anstatt sich auszukurieren und einen ruhigen Abend zu verleben, gerät Brochant in ein Chaos der besonderen Art, als sein Gast Pignon bei ihm zu Hause auftaucht und seine Hilfe anbietet als es darum geht, Brochants Frau ausfindig zu machen. Geht Christine fremd? Wo ist sie überhaupt? Um diese Fragen zu klären, schaltet sich Pignon, der selbst einst von seiner Frau verlassen wurde, mit seiner unbeholfenen Art ein und bringt innerhalb von wenigen Stunden das Leben des Verlegers so durcheinander, dass dieser sich wünschte, er hätte niemals Pignon als Gast geladen. So zieht Pignons Anwesenheit das Chaos regelrecht an, Irrungen und Wirrungen, eine verflossene Geliebte Brochants, sein bester Freund Juste Leblanc oder auch der Steuerprüfer Lucien Cheval beehren den immer noch von Schmerzen geplagten Verleger. Zu guter Letzt stößt auch wieder Dr. Archambaud zu der Runde, der sich erneut als nicht gerade hilfreich erweist. Gibt es ein Happy End? Wird Brochant seine Frau wiederbekommen? Die Zuschauer der Komödie im Marquardt können diese Fragen noch bis zum 01. Mai allabendlich beantwortet bekommen.

 

 

Francis Vebers Stück „Dinner für Spinner“ (im Original Le Diner de cons“)wurde 1993 im Theatre de Varietés in Paris uraufgeführt. Mit großem Erfolg lief das Stück einige Jahre und wurde sogar zwei mal verfilmt, zuletzt im Jahr 2010, mit Steve Carell und Paul Rudd in den Hauptrollen.

 

 

Manfred Langners deutsche Inszenierung steht dem Original in nichts nach. Durch die perfekt gewählten Besetzungen der Rollen, erhält die Komik noch eine Steigerung. So gilt natürlich kein geringerer als der schwäbische Schauspieler Walter Schultheiß, bekannt durch zahlreiche TV Filme und Serien (wie u.a. „Oh Gott, Herr Pfarrer“) als „Dr. Archambaud“ (was sehr an das deutsche Wort „Haarschampo“ erinnert)  als Publikumsmagnet und sorgt dafür, dass die Vorstellungen allabendlich beinahe komplett ausverkauft sind! Doch auch die komplexe Rolle des trotteligen, aber gutherzigen „Pignon“ wird durch Axel Weidemann eindrucksvoll verkörpert. Er schafft es, die verschiedenen Facetten dieser Rolle vollstens darzustellen und erweckt auch Mitleid beim Publikum. Man muss „Pignon“ einfach mögen, obwohl er doch irgendwie ein Sonderling ist. Doch auch Jürgen Mai als „Pierre Brochant“, der ebenso von der ersten Minute des Stückes präsent ist und eine schwere Rolle mit viel Text zu bewältigen hat oder auch seine Frau „Christine“, gespielt von Ulrike Mai (in einer Doppelrolle als Brochants Geliebte „Marlène“), brillieren. Mai dürfte vorwiegend dem jüngeren Publikum, die regelmäßig die Sat 1 Telenovela „Verliebt in Berlin“ ansahen, bekannt sein. Dort spielte sie „Lisa Plenskes“ Mutter! In kleineren Rollen stehen Karl-Heinz Dickmann als „Lucien Cheval“ und Dirk Waanders als „Juste Leblanc“ auf der Bühne, doch auch sie passen so perfekt zu den vorgegebenen Charakteren, dass man auf keinen der Darsteller verzichten möchte. Alle Schauspieler des Abends ergeben eine Symbiose der Unterhaltungskunst.

 

Das Bühnenbild von Charles Copenhaver, Brochants Wohnzimmer, ist solide und geschmackvoll gestaltet und passt perfekt zu der Handlung.

 

Dass die Akustik des Theaters nicht die Beste ist, ist leider ein kleiner Schwachpunkt. Dennoch sind alle Darsteller auf der Bühne sehr gut verständlich und auch in den letzten Reihen erleidet das Stück keinen Abbruch durch die fehlenden Mikrofone.

 

„Dinner für Spinner“ – eine sehenswerte und vor allem charmante Komödie des Alltags, die sich auch so in Ihrem Wohnzimmer abspielen könnte. Ergreifen Sie die Chance und sichern Sie sich noch eine Karte für dieses Stück – ein Besuch in der Komödie im Marquardt lohnt sich immer wieder auf`s Neue!

Text: Franziska Maier

 

Fotos: Franziska Maier und Komödie im Marquardt