CHICAGO
im Theater St. Gallen
Seit seiner Uraufführung am 3. Juni 1975 in New York ist das Musical Chicago von den Bühnen der Welt nicht mehr wegzudenken und begeistert regelmäßig das Publikum weltweit. Am 18. Februar feierte das Stück auch wieder eine umjubelte Premiere im Theater St. Gallen, wo es bereits in der Spielzeit 1986/1987 zu sehen war. Das Musical basiert auf dem Bühnenstück von der Reporterin Maurine Dallas Watkins, die Musik schrieb John Kander, die Texte stammen aus der Feder von Fred Ebb und Bob Fosse.
Die Geschichte spielt im Chicago der 1920er Jahre („Ouvertüre“). Die Tänzerin Roxie
Hart ermordet ihren Liebhaber Fred Casely („All that Jazz“). Sie wird bei den ersten
Befragungen am Tatort von ihrem Ehemann Amos Hart gedeckt („Mein Mann“), bis dieser
herausfindet, dass der Tote die Affäre seiner Frau war. Roxie wird verhaftet und
kommt ins Cook-
Das Leben im Gefängnis wird beherrscht von der korrupten Mama Morton, die alles besorgen kann, wenn nur genug Geld fließt („Sei gut zu Mama“). Ihre Zellengenossin und ebenfalls des Mordes angeklagte Velma Kelly wurde durch Mama´s Hilfe bereits zu einem gefragten Medienstar und plant bereits ihre Karriere nach der Freilassung. Diese erhofft sie sich durch den Staranwalt Billy Flynn, der auch Roxie von Mama wärmstens empfohlen wird – er hat noch nie einen Prozess verloren und bisher jeder zur Freiheit verholfen. Einziger Haken ist, dass Billy Flynn 5000 Dollar verlangt, die Roxie nicht hat. Sie fleht ihren Mann an, ihr das Geld zu besorgen. Nach einer Anzahlung und weiteren Teilzahlungen übernimmt Flynn den Fall („Stepptanz“) („Ich bin nur für die Liebe da“).
Mit Hilfe der Klatschjournalistin Mary Sunshine wird Roxie über Nacht zum Medienstar („Etwas Gutes ist an jedem dran“). Flynn hat es geschafft, über die Presse eine neue Version des Tathergangs zu verbreiten, der seine Klientin entlastet und den Mord als Notwehr aussehen lässt („Zwei griffen zum Colt“). Da nun Roxie der neue Star ist („Roxie“), und keiner mehr über Velma schreibt, sieht diese ihre Karriere in Gefahr und wird eifersüchtig auf den neuen Rummel um ihre Zellengenossin. Daher versucht sie, mit Roxie ins Gespräch zu kommen und sie als Partnerin für ihre Shownummer, die sie bisher mit ihrer Schwester gemacht hat, zu gewinnen („Leider geht’s nicht allein“). Roxie lehnt aber ab, da sie den Ruhm für sich alleine möchte – doch letztendlich müssen beide Frauen unabhängig voneinander einsehen, dass man nur sich selbst vertrauen kann („Ich bin mein bester Freund“)
Roxies Glückssträhne nimmt kein Ende („Da ist ein Mädchen“). Die Lügen um Roxie werden immer dreister, sie soll nach dem Tod ihrer Eltern auf einer Klosterschule gewesen sein und auch eine Schwangerschaft ist plötzlich im Gespräch. Diese wird tatsächlich von einem Arzt bestätigt und Roxie beteuert, das dies schon lange ihr großer Wunsch gewesen war („Ich und mein Baby“). Für die angebliche Vaterschaft ihres Mannes – was rein rechnerisch auch nicht sein kann – interessiert sich jedoch niemand („Mr. Zellophan“).
Velma und Billy besprechen die Taktik ihrer Verhandlung und Velma präsentiert ihm ihre Tricks, von Unschuld über Ohnmachtsanfällen bis zu Bestürzung ist alles dabei – die Show scheint perfekt („Steht Velma vor Gericht“). Roxie belauscht die beiden jedoch und Flynn schafft es dann noch den nahen Verhandlungstermin von Velma für Roxie zu bekommen („Hokuspokus“). Als Velma und Mama am Radio mitanhören müssen, dass Roxie vor Gericht Velmas einstudierte Show abzieht und sogar noch ihre neuen Schuhe dafür geklaut hat, ist das Maß voll („Moral“). Mit der grandiosen Show und dem überragenden Plädoyer von Flynn kommt Roxie tatsächlich frei. Jedoch erlischt ihr glanzvolles Licht sofort bei Prozessende, da im Nebensaal des Gerichts ein Dreifachmord verübt wird und die Presse sich darauf stürzt anstatt Roxies Sieg vor Gericht in Szene zu setzen.
Roxie muss sich damit abfinden („Heutzutag“) und kommt nun doch auf Velmas einstigen
Vorschlag zurück, eine gemeinsame Karriere zu starten. Velma und Roxie werden mit
ihrer neuen Vaudeville-
Sabine Hettlich ist in der Rolle der Velma Kelly zu sehen. Ihre etwas rauchige Stimme passt sehr gut und sie überzeugt von der ersten Sekunde an bei „All that Jazz“ bis zum Finale sowohl schauspielerisch als auch tänzerisch. Genauso Sabrina Harper als Roxie Hart – auch dieser Rolle wird nicht nur gesanglich viel abverlangt, auch für die Entwicklung von der kleinen Tänzerin über den glanzvollen Star am Medienhimmel bis zur geläuterten Freigesprochenen und letztendlich Freundin ihrer ehemaligen Zellengenossin ist schauspielerisch viel Talent gefragt, vom Tanz ganz zu schweigen. Beide Künstlerinnen beherrschen die geforderten Sparten perfekt.
Billy Flynn wird gespielt von Tobias Licht. Er dürfte vielen durch die Serie „Alles
was zählt“ bekannt sein, in der er den Eislaufchoreograf Lars Berger verkörperte.
Ihn nun auf der Musical-
Ein weiteres Highlight war Brigitte Oelke als Mama Morton. Dass die Bühne schon lange ihr Zuhause ist, beweist sie durch eine Präsenz, die ihresgleichen sucht. Von der ersten Sekunde ihres ersten Auftritts bei „Sei gut zu Mama“ an hält sie die Fäden in der Hand.
Eine eher undankbare Rolle ist die des Ehemanns Amos Hart, der herrlich komisch und zugleich zurückhaltend schüchtern von Frank Winkels gespielt wird. Die Rolle ist bewusst unscheinbar angelegt, er ist die gute Seele des Stücks, wird aber von niemand wahrgenommen. Nur bei seinem Lied „Mr. Zellophan“ kann er sein Können zeigen und wenigstens die Zuschauer mit guter Stimme von sich überzeugen.
Etwas ungewohnt ist die Rolle der Klatschreporterin Mary Sunshine, die von einem
Mann gespielt wird. Am Premierenabend übernahm diese Rolle Martin Schäffner. Er brilliert
durch einen ungewöhnlich hohen Tenor, der an einen lupenreinen und glasklaren Opern-
Neben hervorragenden Darstellern in den Hauptrollen ist auch das Ensemble mit namhaften
und exzellenten Künstlern besetzt (Suzana Novosel, Marion Zollinger, Florence Kasumba,
Nini Stadlmann, Gina Marie Hudson, Rachel Marshall, Michael Clauder, Jurriaan Bles,
Robert Johansson, Ivo Giacomozzi, Danilo Brunetti, Cedric Lee Bradley, Nivaldo Allves).
Vor allem die Tanz-
Für die in die Zeit passenden und wunderschönen Kostüme sorgte Magali Gerberon, damit die Künstler akustisch und visuell perfekt in Szene gesetzt werden Stephan Linde und Christian Scholl (Sound Design) bzw. Michael Grundner (Licht Design).
Die 17-
Mit dem Musical Chicago hat das Theater St. Gallen ein interessantes, teils spannendes und unterhaltsames Stück auf die Bühne gebracht, das die Zuschauer in ein Chicago der 20er führt, welches zur damaligen Zeit von Habgier, Korruption, Gewalt und Ausbeutung geprägt war. Aber sicher nicht nur Chicago war dem allem ausgesetzt und auch nicht nur die sogenannten Goldenen 20er. Leider findet man all dies auch heute noch in viele Städten unserer Erde.
„Chicago“ im Theater St. Gallen zu sehen bis 08. Mai 2012.
Infos und Tickets unter www.Theatersg.ch
Bericht: Sabine Böhm
Bilder: Toni Suter, T+T Fotografie